NOAH’S  SÖHNE

 

 

Wir leben in besonderen Zeiten, Zeugen der Rückkehr des Volkes Israel zu seinem Land, so wie es in den biblischen Prophezeiungen vorhergesagt worden ist. Dieses monumentale Ereignis verändert Denkgewohnheiten und erweckt großes Wundern: „Dankt Gott, ruft seinen Namen, macht seine Taten den Völkern bekannt.“ Eine ganz biblische Geschichte hat sich mitten in unserer modernen Epoche abgespielt! Folgedessen erscheinen zwei Gedanken im kollektiven Unterbewusstsein jener Völker: zum einen, dass die Weise, in welcher die jüdische Bibel Geschichte versteht, richtig ist; zum anderen, dass die Weise, in welcher die Juden ihre Bibel verstehen, richtig ist. Und diese letzte Folgerung ist besonders störend.

 

All das bringt ehrliche Menschen dazu, geistige Werte neu zu untersuchen und das jüdische Volk, das zu seinem Land und seiner Identität zurückgekehrt ist, um den besonderen Segen zu bitten, den die jüdische Bibel für die gesamte Menschheit hat. Das sind die „Söhne von Noah“, die als Helden in vielen ungläubigen Völkern hervorstehen, Völker „welche Gott nicht erkennen und sich nicht mit Ihm verbunden fühlen.“ (Psalm 79, 6 – 7). Und dann werden die Worte des Propheten erfüllt: „Und sie werden die Rockschöße eines Juden anpacken und zu ihm sagen: Wir werden mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“ (Sacharja 8, 23)

 

Manchmal sind diese Gruppen in Organisationen vereinigt, wie zum Beispiel die Makoya in Japan oder ähnliche Initiativen in den Vereinigten Staaten, Kamerun, Israel usw. Aber viele von diesen Helden sind Einzelne, die den geistlichen Inhalt der Wahrheit suchen, umgeben von einer Gesellschaft, die ihrem Glauben fremd ist.

 

Dieses Phänomen ist noch nicht so stark, dass es die Form einer weltweiten Bewegung angenommen hätte, aber auf der anderen Seite kann es nicht länger ignoriert werden. Das jüdische Volk kann sich nicht länger einzig und allein um seine eigenen Belange kümmern, um sein religiöses und nationales Fortbestehen. Wir leben heute in einer Situation, in der die Menschheit vom jüdischen Volk eine Lösung seiner Probleme fordert. Diese Forderung ist hauptsächlich unterbewusst, aber man kann sie sogar an der Hetze gegen den Staat Israel sehen. Alles geschieht so, als ob die Welt uns anklagt: Wenn ihr nur zum Land eurer Väter zurückgekehrt seid, um wie alle Völker zu leben, warum habt ihr die ganze menschliche Kultur erschüttert? Wenn ihr keine erlösende Nachricht für die Menschheit habt, warum besteht ihr darauf, dass die Welt euch lieben soll?

 

Zum heutigen Zeitpunkt gibt es vier Hauptzentren, welche sich um die kulturelle Hegemonie über die Menschheit bemühen: der Westen, die arabische Welt, der Ferne Osten und das Judentum. Und gerade die Stimme des Letzteren, welche so sehr eine Weltverbesserung verlangt, ist am schwächsten. Aber der Mittelmeerkonflikt, in dem das jüdische Volk schwerwiegend beteiligt ist, bringt drei von diesen Zentren zusammen: Christen, Juden und Mohammedaner. Es sieht durchaus so aus, als ob die höhere Vorsicht die Ereignisse zu einer Entscheidung zwischen diesen Kräften lenkt.

 

Die Notwendigkeit, der Menschheit einen geordneten geistlichen Inhalt zu präsentieren, nach dem Motto „Von Zion geht Weisung aus“, wird immer fühlbarer.

 

„Die Lehre von Noah’s Söhnen“, welche eine Antwort auf die Gottessuche der Völker geben soll, ist schon in vielen jüdischen Quellen weithaltig diskutiert worden, so zum Beispiel in der jüdischen Bibel, der Mischna und dem Talmud, in der rabbinischen Literatur, besonders von Maimonides und später in den Schriften von Rabbi Elijahu Ben Amosag und vielen anderen. Es gibt jedoch noch viel zu tun in dieser Hinsicht. Obwohl viele Versuche gemacht wurden, die formularen Pflichten zu begrenzen, nämlich wie man sich tagtäglich benehmen soll, brauchen wir genaue Definitionen in vielen Fragen, welche ständig neu auftauchen. Aber die größte Lücke existiert im Bereich der inneren Welt des Glaubenserlebnisses und der Verbindung mit den innerlichen Inhalten des Lebens.

 

Wir können diese schwere Pflicht nicht erfüllen ohne Akademien, in denen diese Inhalte ergründet werden. Es ist besonders dringend herauszufinden, wie Gottes Wort jedem Volk und jeder Kultur speziell angepasst werden kann, nach seinem Charakter und typischen geistlichen Sensitäten. Es ist selbstverständlich, dass die Einstellung eines Menschen, der von einem europäisch-christlichen Kulturhintergrund kommt, nicht die gleiche ist wie die eines Menschen, der von der ostasiatischen Kultur kommt.

 

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Obwohl die folgende Liste sehr schematisch und stark abgekürzt erscheint, möchten wir hier die Grundzüge der Weisung von Noah’s Söhnen wiedergeben:

 

a)     Die Anerkennung der zentralen Wichtigkeit von der hebräischen Prophezeiung hinsichtlich Gottes Wort an die Menschheit. Diese Anerkennung verleiht ihren Vertretern den Stand von „Gläubigen aus den Völkern“, welcher grundlegend verschieden ist von dem Stand der „Weisen der Völker“, der solchen Menschen verleiht wird, welche die Gebote der menschlichen Moral nach ihrem eigenen Verstehen hin befolgen, aber nicht, weil diese gottgegeben sind.

b)     Offizielle Selbstverpflichtung, die minimalen Gebote von Noah’s Söhnen einzuhalten. Diese Gebote sind in zwei Hauptkategorien eingeteilt. Die erste Kategorie befasst sich mit dem Glaubens- und moralischen Leben des Einzelnen und enthält 1) das Verbot, fremde Gottheiten anzubeten, 2) das Verbot, zu fluchen, 3) das Verbot gegen Mord, 4) das Verbot gegen Diebstahl, 5) das Verbot gegen sexuelle Perversion und 6) das Verbot, kein Tier oder Teil von einem Tier zu essen, solange es noch am Leben ist. Die zweite Kategorie befasst sich mit der Gesellschaftsordnung und ist 7) das Gebot, Gerichtshäuser zu etablieren.

c)      Außer diesen Verpflichtungen, deren Überschreitung schwer bestraft wird und welche eine ethische Verwahrlosung des Menschen und eine Verwüstung seines göttlichen Ebenbildes verhüten wollen, existieren noch andere Ausdrücke für Heiligheit im menschlichen Leben, so wie zum Beispiel Gebet und milde Gaben oder sogar rituelle Handlungen. All dies verlangt individuelle geistliche Ausrichtung, die den Ort und die Zeit in Betracht nimmt.

d)     Es gibt die Möglichkeit, je nach Interesse weitere Gebote des Judentums zu befolgen. (So zum Beispiel die Möglichkeit, die schriftliche sowie die mündlich überlieferte jüdische Lehre zu studieren, die geistlichen Inhalte des Judentums und den Schabbat zu halten. Diese letztaufgezeichnete Möglichkeit erfodert jedoch seine eigene Diskussion).

e)     Solche „Gläubigen der Völker“ werden in der neuen Weltordnung nach dem Auferstehen der Toten teilnehmen.

 

Diese Aufzeichnung ist nur teilhaft, weil sie nur Richtlinien für den Einzelnen enthält. Die Vision der Letzten Tage der Israelitischen Propheten beschreibt eine neue Menschheit mit kollektiver Heiligkeit, so wie sie im Laufe der Geschichte der alleinige Erbteil des jüdischen Volkes war. Diese kollektive Heiligkeit wird sich dann auf weitere Teile der Menschheit ausbreiten: „Und viele (nicht-jüdische) Menschen werden sich dann Gott anhängen an jenem Tag und sie werden mir zum Volk werden.“ (Sacharja 2, 15). In jenen glücklichen Tagen wird das jüdische Volk seine Rolle als Priester der Menschheit erfüllen „und ihr werdet Gottes Priester gerufen“ (Jesaja 61, 6), „ein Priesterreich“ im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Dann wird die Katastrophe der verzwisten Menschheit, welche in der Geschichte über den Turm von Babel beschrieben ist, durch eine Wiedervereinigung um Israels’s Glauben herum rehabilitiert, ohne dass irgendeine Volksgruppe auf ihren ureigenen kulturellen Reichtum verzichten muss.

 

Dann kann auch die Liebe, welche in Israel für jedes Geschöpf verborgen ist, zum Ausdruck kommen ohne all die Hindernisse, die die menschliche Feindseligkeit dieser Liebe in den Weg gestellt hat.

 

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Die Völker der Erde erreichen ihre geistliche Reife entlang verschlungener Pfade, durch die Religionen und Ideologien, die heutzutage die Köpfe und Herzen der Menschen beherrschen. Es gibt solche, die geistliche Inhalte und moralische Erbauung mit einer einflussreichen menschlichen Figur verbinden. Nicht immer können wir fordern, dass diese Figuren von ihren Anhängern verstoßen werden sollen, so dass sie sich Noah’s Söhnen anschließen können, ohne ihre ganze innere Welt zu erschüttern. Das Verhältnis zu Glaubensgründern, wer immer sie auch waren, wird durch den gesteigernden Wert von der mosaischen Lehre von allein korrigiert. (siehe auch Rabbi Kook’s Briefe, 61, 157). Insbesondere das Christentum und der Islam, welche im Judentum verwurzelt sind, können sich durchaus von Innen her entwickeln, was ermöglicht, ihre reine Essenz von den vielen fremden Zumischungen zu destillieren, so dass das besondere religiöse Gefühl dieser Religionen zu der Quelle ihrer Heiligkeit mittels Anhang an das jüdische Volk und an seinen Gott orientiert werden kann. Man sollte auch nicht die große Unterteilung der menschenlichen Kultur in zwei Hauptgebiete ignorieren: den Westen und den Osten. Schon die Propheten haben uns informiert, dass die Art und Weise, in der man sich mit diesen geistlichen Weltmächten befasst, grundverschieden sein muss: „und sie werden den NAMEN GOTTES im Westen sehen, und vom Osten SEINE EHRE, und dann wird der Erlöser nach Zion kommen.“ (Jesaja 59, 19 – 21). Diese Unterschiede erfordern sehr viel verständliche Klarheit und müssen von den großen Weisen Israel’s entschieden werden. 

 

Auch wenn er erst in seinem Anfangsstadium ist, wird dieser Prozess schon jetzt von Nicht-Juden und Rabbinern guten Willens gestärkt, aber damit er wirklich auf lange Sicht hin gefördert werden kann, sollte er mit einer offiziellen Behörde, so wie zum Beispiel dem Israelischen Oberrabbinat, übereingestimmt werden, so dass er eine organisierte Form annehmen kann, was auch Kontrolle und Überwachung ermöglicht.

 

Wir sind erfüllt von hoffnungsvoller Erwartung, diesen Prozess in all seiner Größe zu erleben, durch Menschen tiefen Glaubens, ehrlichen Sinnes und festen Willens, die sich der Wahrheit des Gottes Israels anschließen wollen und welche SEIN Wort zum dem Vater aller Glaubenden verwirklichen wollen, der gesagt hat: „Durch dich werden alle Familien der Erde gesegnet werden.“

 

Die Zeit ist gekommen, lasst uns ihrer Größe bewusst sein!

 

 

 

2005 von Rav Scherki

 

MACHON  MEIR  -  Das Zentrum für Jüdische Studien in Israel

 

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